Mochovce-Engagement von Umweltminister Pröll mehr als fragwürdig
Geschrieben von aotearoa
03.07.2008
Medienmitteilung des Vereins Antiatom Szene am 3. Juli 2008
PA:Mochovce-Engagement von Umweltminister Pröll mehr als fragwürdig
Utl.:Ist Brief an EU-Kommissare als Placebo gedacht, oder warum bleibt das fehlende Containment unerwähnt?
Nach monatelangemEngagement gleich Null in Sachen Mochovce lässt Umweltminister Pröll nun mit einer fragwürdigen Aktion – einem Brief an die EU-Kommissare Piebalgs und Dimas – aufhorchen und scheint die Thematik rund um die Uralt-Atommeiler Mochovce 3&4aus der Schublade zu holen. Doch das Schreiben entpuppt sich als (Ent)täuschung pur.
Umweltminister Pröll fordert zwar eine Umweltverträglichkeitsprüfung, vergisst scheinbar aberden wesentlichsten Punkt, nämlich, dass Mochovceüber kein Containment verfügtund signalisiert darüber hinaus Verständnis, wenn durch „etliche“ Nachrüstungen lediglich eine „Annäherung zum heutigen Stand der Wissenschaft“ erfolgt. Das kann im Klartext bedeuten durch minimale Nachbesserungen einen Placebo-Eff! ekt erreichen zu wollen, aber sicherlich keinen Schutz wie ihn die Bevölkerung Europas erwartet und verdient.
„Ich gehe davon aus, dass Herr Umweltminister Pröll die Problematik rund um das fehlende Containment von Mochovce 3&4 bekannt ist, und es ist daher mehr als fragwürdig wieso diesim Schreiben an die EU-Kommissare unerwähnt bleibt. Eine Thematisierung der Ausbaupläne deswohl riskantesten AKW-Projektes dieser Zeit, völlig ohne Klärung der Containment-Frage, istuntauglich und halbherzig und eine Unterstützung dessen wäre mehr als kontraproduktiv.“, erklärt Elvira Pöschko, Obfrau des Vereins Antiatom Szene.
Einen weiteren bitteren Beigeschmack hat das Schreiben von Minister Pröll und seiner grundsätzlich lobenswerten Forderung nach einer UVP deshalb, da die slowakischen Behörden bereits am Montag ihre Absicht zur UVP bekundeten,aber-es ist an Sarkasmus kaum zu überbieten -an der alten Baugenehmigung aus dem Jahre 1986 (Tschernobyl-Jahr) festhalten wollen. Eine „Schein-UVP“ könnte die Folge sein, daher muss unbedingt eine Neugenehmigung Ziel sein.
Das Mochovce-Projekt ist das umstrittenste AKW-Projekt dieser Zeit und ist sicherheitstechnisch, wie auch demokratiepolitisch ein Fiasko. Es bleibt zu hoffen, dass aus dem Umweltministerium rasch ernsthafte Bemühungen in der Verhinderung des Au! sbaus von Mochovce 3 & 4 folgen, die in ihrer Form nicht um den heißen Brei „herumschreiben“.
Seitens der Atomgegner wird der Widerstand gegen Mochovce vehement fortgesetzt. Erst kürzlich ist mit dem Ausstieg einesinternationalen Bankenkonsortiums aus der Mochovce 3&4-Finanzierung, ein großer Erfolg gelungen.
HINTERGRUNDINFO:Die Mochovce Reaktoren (Blöcke 3&4) rotten seit der Einstellung der Bauarbeiten in den 80-er Jahren vor sich hin.Das Fehlen des Containments (druckfeste Schutzhülle) ist auch mit einem wesentlich verminderten Schutz gegen äußere Einwirkungen verbunden – seit den Ereignissen im September 2001 eine traurige Tatsache, die bedacht und aus der gelernt werden muss. Bereits durch den Absturz eines kleineren Flugzeuges kann es bei diesem Reaktortyp zur Zerstörung des Reaktorgebäudes und in der Folge zu einer nuklearen Katastrophe vom Tschernobyl-Ausmaß kommen.